Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) hat sich in unseren Breiten etabliert. Sie ist schon lange kein reines Problem mehr für Imker oder die Landwirtschaft, sondern betrifft uns alle – ganz besonders im eigenen Garten oder am Haus. Hier erfährst du, wie du die Nester rechtzeitig erkennst, warum Aufmerksamkeit bei der Gartenarbeit so wichtig ist und wie du dich und deine Familie vor gefährlichen Situationen schützt.
Für Beschäftigte in der Grünen Branche und im Bauwesen besteht eine neue Gefährdungslage. Herkömmliche Schutzkleidung reicht oft nicht aus.
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Ein Überblick über die Herausforderungen für alle BürgerInnen. Was muss ich als Haus- und Gartenbesitzer wissen, welche Gefahren gehen von der invasiven Art aus?
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Oft denken wir, invasive Arten sind nur ein Thema für Naturschützer. Doch die Asiatische Hornisse nistet gerne in der direkten Nähe des Menschen, also mitten in Siedlungsgebieten. Ihre sogenannten Primärnester baut sie ab April oft auf Kopf- oder Kniehöhe an geschützten Orten – zum Beispiel in dichten Hecken, im Gartenschuppen oder unter dem Dachüberstand. Das macht alltägliche Tätigkeiten im Freien plötzlich zu einem Risiko, wenn man nicht aufmerksam ist.
Während einzelne Tiere an Blüten eher friedlich sind , verteidigen sie ihr Nest bei Erschütterungen absolut kompromisslos.
Halte zwingend einen Sicherheitsabstand von mindestens 5 Metern zum Nest ein. Das Nest darf unter keinen Umständen berührt oder erschüttert werden. Mache aus sicherer Entfernung ein scharfes Foto als Beleg. Melde den Fund anschließend sofort über das zuständige Neobiota-Portal (in NRW) oder die entsprechende App. Informiere auch den Grundstückseigentümer, falls du dich nicht auf deinem eigenen Land befindest. Sollte es ein städtisches Gundstück sein, informiere das Ordnungsamt.
Die unsichtbare Gefahr: Im Gegensatz zu den großen Nestern in Baumwipfeln sind die Primärnester im Frühjahr/Frühsommer oft perfekt getarnt und befinden sich auf Kopf- oder Arbeitshöhe.
Extremes Verteidigungsverhalten: Vibrationen (Motorgeräte) werden als direkter Angriff gewertet. Die Hornissen verteidigen ihr Nest aggressiv im Kollektiv und verfolgen Eindringlinge auf bis zu 20 Meter.
Gefahr für die Augen (Gift-Projektion): Die Asiatische Hornisse kann Gift oder Darminhalt gezielt in das Gesicht eines Angreifers spritzen. Dies führt zu sofortigen Augenverletzungen, Hornhautentzündungen und langanhaltenden Schmerzen.
Nein, auf gar keinen Fall. Versuche, ein Nest mit dem Wasserschlauch, Insektenspray oder einem Stock zu zerstören, sind lebensgefährlich. Solche Aktionen provozieren sofortige, massive Gruppenangriffe. Zudem ist eine eigenmächtige Bekämpfung ohne behördliche Genehmigung in Deutschland illegal.
Die Gefahr befindet oft in Kniehöhe (Primärnester): Im Frühjahr und Frühsommer (April bis Juli) befinden sich ca. 70 % der Nester nicht hoch im Baum, sondern in direkter Bodennähe oder an Gebäuden. Das macht sie für Gärtner so gefährlich, da sie beim Arbeiten oft übersehen werden. Typische Fundorte:
- Hecken & Sträucher: Besonders beliebt sind dichte Hecken (Thuja, Kirschlorbeer) in Bodennähe.
- Garten-Strukturen: In Schuppen, unter Dächern von Gartenhäuschen, in Vogelkästen, leeren Blumentöpfen oder unter Abdeckplanen.
- Am Haus: In Rollladenkästen oder Dachüberständen.
Gefahr für Dachdecker: Später im Jahr (ab Sommer) können Sekundärnester auch in Hohlräumen hinter Fassaden oder direkt unter Dachüberständen hängen, wo Handwerker auf Leitern keine Fluchtmöglichkeit haben.
Stärkerer Schmerz und hohes Allergie-Risiko: Ein Stich ist für Nicht-Allergiker meist nicht lebensgefährlich, wird aber oft als schmerzhafter empfunden als ein Wespenstich, da der Stachel länger ist und mehr Gift injiziert wird.
Kreuzallergie: Das größte Risiko besteht für Menschen mit einer Wespenallergie. Aufgrund der sehr ähnlichen Giftstruktur reagieren Wespenallergiker mit hoher Wahrscheinlichkeit (Kreuzreaktivität) auch auf die Asiatische Hornisse allergisch – bis hin zum anaphylaktischen Schock.
Massenstiche: Da bei einem Nestangriff oft Dutzende Tiere stechen, kann die Giftmenge auch bei gesunden Menschen zu Kreislaufproblemen führen.
Sofortmaßnahme: Kühle die Einstichstelle sofort, um den Schmerz und die Schwellung zu lindern. Für gesunde Menschen ist der Stich ähnlich wie der einer Honigbiene, er wird aufgrund der größeren Giftmenge und des längeren Stachels jedoch meist als schmerzhafter empfunden. Treten jedoch Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder Herzrasen auf, wähle sofort den Notruf (112). Allergiker sollten umgehend ihr Notfallset verwenden.
1. Frühjahr (April bis Juni):
Typ: Embryonal- oder Primärnest (Größe: Tennisball bis Handball).
Ort & Höhe: Fast immer bodennah oder in Arbeitshöhe! Beliebt sind dichte Hecken, Schuppen, Dachüberstände, Carports oder sogar ungenutzte Grillgeräte.
Gefahr: Extrem hoch für Gärtner, da die Nester beim Schneiden übersehen werden.
Population: Startet mit einer Königin, wächst bis Juni auf ca. 50–100 Tiere an.
2. Sommer & Herbst (Juli bis November): Das Sekundärnest
Typ: Großes Filialnest (Größe: Medizinball bis 1 Meter Durchmesser).
Ort & Höhe: Meist Umzug in hohe Baumkronen (über 10 Meter). Aber Vorsicht: Etwa 30 % der Völker bleiben unten oder nisten an Gebäudefassaden.
Gefahr: Hoch für Baumpfleger, Forstarbeiter und Dachdecker.
Population: Explosionsartiges Wachstum. Durchschnittlich 6.000 Tiere pro Volk, in der Spitze bis zu 13.000 Individuen (davon bis zu 2.000 gleichzeitig flugfähig).
3. Winter (ab Dezember): Das Ende
Zustand: Das alte Nest stirbt ab. Die Jungköniginnen haben das Nest verlassen und überwintern in Totholz oder im Boden.
Wichtig: Leere Nester werden im nächsten Jahr nicht wiederbesiedelt.
Ja. Normalerweise gründet die Königin ein Primärnest in geschützter Bodennähe (z.B. Schuppen, Hecken) und das Volk zieht später für das Sekundärnest in hohe Baumwipfel um. Es gibt jedoch Ausnahmen. Manchmal zieht das Volk nicht um, sondern baut das Primärnest einfach an Ort und Stelle zum großen Sekundärnest aus.
Aktive Bodenbesiedlung: Es gibt Berichte, insbesondere aus Frankreich, dass Völker Hohlräume im Boden (z.B. alte Mäuse- oder Kaninchenbauten) nutzen.
Häufigkeit: Während sie meist als "selten" gelten, berichteten französische Hornissenjäger (z.B. im Departement Landes) in bestimmten Jahren (wie 2021) von einer ungewöhnlichen Häufung solcher Erdnester.
Sekundärnester: Diese Nester können im Boden oder direkt auf Bodenniveau in Büschen riesige Ausmaße erreichen (bis zu einem Meter Durchmesser).
Besondere Gefahr: Für Menschen, die unachtsam, z.B. beim Schneiden der Hecke, ein Nest beschädigen, besteht Lebensgefahr.
Vibrationen: Da das Nest direkten Kontakt zum Erdreich hat, spüren die Tiere Schritte oder Mähmaschinen viel früher und intensiver als bei einem freihängenden Nest.
Keine Fluchtmöglichkeit: Wer versehentlich auf den Eingang tritt oder mit dem Rasenmäher drüberfährt, steht sofort mitten im aggressivsten Verteidigungsbereich des Volkes.
Ja, Kinder im Grundschulalter sind tatsächlich hervorragende Späher für die Früherkennung. Durch ihre Körpergröße haben sie einen niedrigeren Blickwinkel und entdecken versteckte, bodennahe Primärnester in Hecken oft deutlich früher als Erwachsene. Während Erwachsene oft Angst haben, sind Kinder meist neugierig – diese Eigenschaft lässt sich nutzen, ohne Panik zu verbreiten.
Einzelsichtungen der Tiere sind für Kinder und Erwachsene kein Problem, die Tiere sind nicht generell angriffslustig. Wenn du eine einzelne Hornisse auf deinem Grundstück siehst, versuche herauszufinden, wohin sie fliegt, um das Nest zu entdecken.
Typische Gefahrenquellen im eigenen Garten.
Es sind die ganz normalen Arbeiten im Frühjahr und Sommer, bei denen es zu unbeabsichtigten Kontakten mit der Asiatischen Hornisse kommen kann. Achte besonders auf diese Situationen:
Gefahr bei Gartenarbeiten: Nester direkt am Erdboden werden oft zu spät bemerkt.
Anpassungsfähigkeit: Die Hornisse nutzt technische Infrastrukturen in unmittelbarer Nähe zum Menschen.
Für Rösrath steht Jutta Kalff für Beratung und Entfernung von Nestern zur Verfügung:
Internetseiten für sehr gute, weiterführende Informationen und Kontakt
Informationsportal eines Zusammenschlusses fachkundiger engagierter, Ehrenamtlicher. Darunter Behördenmitarbeiter, Imker, Hornissenberater, Wissenschaftler und viele mehr: https://velutina-army.de
PDF-Flyer des Rheinisch-Bergischen Kreises mit Kontaktdaten und Übersicht der allgemeinen Informationen und Verhaltensregeln.
Kontakte zu den Ämtern:
Veterinäramt des Rheinisch-Bergischen Kreises: artenschutz@rbk-online.de
Zuständige Behörde: Untere Naturschutzbehörde
Am Rübezahlwald 7, 51469 Bergisch Gladbach
Telefon 02336/93 0
Ansprechpartner bei der Kreisverwaltung sind
Marlen Wildenhues, Tel.: 02202 13-6814 und Wilfried
Knickmeier, Tel.: 02202 13-6798.
Liste der aktuell ehrenamtlich Helfenden im Hornissen- und Wespenschutz des Rheinisch-Bergischen Kreises (PDF):
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1. Bild (links): Europäische Hornisse Vespa crabro: geschütztes Tier, darf nicht gefangen oder getötet werden.
Grundfärbung: rotbraun (Kopf, Brust, Beine), Hinterleib: gelb mit dunkler Zeichnung, Gesicht: gelb
Nest: Größe bis 60 cm, 5 bis 8 Waben, bevorzugt in geschützten Höhlen, unten große Öffnung / Flugloch unten
Volksgröße: 400-700 Tiere
Besonderheiten: Tag- und Nachtaktiv (Fliegt künstliche Lichtquellen an).
2. Bild (rechts): Asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax: invasive Art
Grundfärbung: schwarz; Beine gelb, Hinterleib: schwarz mit orange-gelbem Bereich, Gesicht: orange
Nest: Größe bis 100 cm, 4 bis 10 Waben, Bevorzugt freihängend, im Frühjahr in Büschen oder Hecken, im Sommer in hohen Bäumen, Flugloch seitlich
Volksgröße: 1.000 bis 2.000 Tiere
Besonderheiten: nur Tagaktiv, besondere Flugfähigkeiten, steht in der Luft und kann rückwärts fliegen.
Die signifikanten Unterschiede bei einzelnen Tieren sind also klar die Farbe des Körpers und vor allem der Füße, und die Flugeigenschaften.
Hinweis für Jäger:
Dieser Artikel der Saarjäger fasst die Besonderheiten im Vergleich zur Europäischen Hornisse gut zusammen.