(07. Dezember 2023 - aktualisiert 27.05.2025) Ich möchte heute als Imkerin über ein Thema informieren, das mich und viele meiner Kollegen zunehmend beschäftigt und sorgt: die Asiatische Hornisse. Die „Vespa velutina“ steht nicht mehr als „gefährliche invasive Art“ auf der Liste der EU, sondern wurde im Januar 2025 als "etablierte Art" eingestuft. Das bedeutet, dass ihre Vermehrung und Ausbreitung nicht mehr behördlich gestoppt werden muss, sondern jetzt ein "Managementplan" greifen wird, der Regeln vorgibt, aber die Verbreitung im Großen und Ganzen nicht mehr verhindert werden muss.
Die Asiatische Hornisse hat es besonders auf Insekten abgesehen. Sie belagert regelrecht unsere Bienenstöcke und fängt die Bienen sogar im Flug - die Biene hat dann keine Chance. Die Hornisse schneidet der Biene Kopf, Hinterteil, Beine und Flügel ab und bringt nur den eiweißreichen Brustteil zu ihren Larven. Schwächere Bienenvölker werden auch von einem Rudel der asiatischen Hornisse komplett ausgeräubert und vernichtet.
Aber nicht nur die Honigbienen dienen der Hornisse zur Nahrung. Auch Wildbienen, Käfer, Schmetterlinge und sogar Säugetiere gehören auf ihren Speiseplan. Eine neue Studie identifizierte DNA-Spuren von mehr als 1.400 verschiedenen Insektenarten im Verdauungstrakt der Hornissen. Dies verdeutlicht, dass sich Vespa velutina nicht auf eine bestimmte Beute spezialisiert hat, sondern ein extrem flexibles Jagdverhalten zeigt. Die Forscher stellten fest, dass das Nahrungsspektrum der Hornisse sowohl in Bezug auf die Vielfalt der Beutetiere als auch auf ihre Anpassung an unterschiedliche Lebensräume bemerkenswert ist.
Meldung an die Behörden via App
Wer ein Hornissennest sieht, sollte es melden – auch jetzt, wo die Art behördlich als "etabliert" eingestuft wurde. Denn wir müssen alle helfen, der unteren Naturschutzbehörde Druck zu machen, den sie nach oben weitergeben kann. Die Folgen, die Vespa velutina für Artenvielfalt, Landwirtschaft aber auch Menschen hat, können wir uns seit 20 Jahren in Frankreich und Nordspanien anschauen. Und das sieht nicht besonders Vielversprechend aus. Aber zunächst:
1. Bild (links): Europäische Hornisse Vespa crabro: geschütztes Tier, darf nicht gefangen oder getötet werden.
Grundfärbung: rotbraun (Kopf, Brust, Beine), Hinterleib: gelb mit dunkler Zeichnung, Gesicht: gelb
Größe: Königin: bis zu 3,5 cm, Arbeiterin: 1,8 – 2,5 cm, Drohn: bis zu 2,8 cm
Nest: Größe bis 60 cm, 5 bis 8 Waben, bevorzugt in geschützten Höhlen, unten große Öffnung / Flugloch unten
Volksgröße: 400-700 Tiere
Ernährung: Erwachsene Tiere: Süße Pflanzensäfte, Fallobst, Larven: Insekten
Besonderheiten: Tag- und Nachtaktiv (Fliegt künstliche Lichtquellen an).
2. Bild (rechts): Asiatische Hornisse Vespa velutina nigrithorax: invasive Art, inzwischen als etabliert eingestuft, sollte vernichtet werden.
ACHTUNG: Auf keinen Fall auf eigene Faust versuchen, Nester zu vernichten - dies muss ein Experte tun.
Grundfärbung: schwarz; Beine gelb, Hinterleib: schwarz mit orange-gelbem Bereich, Gesicht: orange
Größe: Königin: bis zu 3 cm, Arbeiterin: 1,5 – 2,4 cm, Drohn: bis zu 2,5 cm. Die Schwankungen sind derart groß, dass keine Geschlechterdifferenzierung nur anhand der Größe getroffen werden sollte.
Nest: Größe bis 100 cm, 4 bis 10 Waben, Bevorzugt freihängend, im Frühjahr in Büschen oder Hecken, im Sommer in hohen Bäumen, Flugloch seitlich
Volksgröße: 1.000 bis 2.000 Tiere
Ernährung: Erwachsene Tiere: Süße Pflanzensäfte, Fallobst auch unreife Früchte, Larven: Insekten, bevorzugt Bienen.
Besonderheiten: nur Tagaktiv, besondere Flugfähigkeiten, steht in der Luft und kann rückwärts fliegen.
Die signifikanten Unterschiede bei einzelnen Tieren sind also klar die Farbe des Körpers und vor allem der Füße, und die Flugeigenschaften.
Wenn du unsicher bist, kannst du dein Foto hier einsenden, dann hilft KI dir bei der Bestimmung weiter: https://www.velutina-service.com/veludetect/
(Das System ist noch in der Testphase.)
Was du aber unbedingt tun solltest, wenn du recht sicher bist, eine Vespa Velutina gesehen zu haben, ist, sie der Naturschutzbehörde zu melden.
https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/fundpunkte/webformular
Warum ist es so wichtig, die Sichtung von Vespa velutina zu melden?
Die asiatische Hornisse Vespa velutina breitet sich in Europa immer weiter aus – und das leider nicht ohne Folgen. Für uns Menschen mag sie zwar nur in Ausnahmefällen gefährlich sein, doch für unsere heimischen Insekten sieht die Sache ganz anders aus. Besonders Honigbienen und andere bestäubende Arten stehen auf ihrem Speiseplan. Und wenn die Bestäuber fehlen, leidet nicht nur die Natur, sondern auch unsere Landwirtschaft – denn ohne Bestäubung keine Äpfel, keine Kirschen, kein Raps.
Auch Winzer:innen und Obstbauern in Frankreich und Spanien spüren die Folgen, es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir es in Deutschland auch erleben.
In den Weinregionen Galiciens (Spanien) und Teilen Portugals berichten Landwirte von erheblichen Fraßschäden an reifen Trauben. Die Hornissen ernähren sich von zuckerreichen Früchten und machen vor Weintrauben, Äpfeln, Birnen, Feigen und Beeren nicht halt. Besonders zur Erntezeit können große Schwärme auftreten. In Frankreich sind ähnliche Probleme im Obst- und Weinanbau bekannt. Obstbauern berichten von Schäden an verschiedenen Früchten, darunter Erdbeeren und andere Beerenarten. Die Hornissen können die Früchte anbeißen und dadurch unbrauchbar machen, was zu wirtschaftlichen Verlusten führt.
Zudem beeinträchtigt die Präsenz von Vespa velutina die Bestäubung von Pflanzen. Studien aus Spanien zeigen, dass die Hornissen die Aktivität von Bestäubern wie Bienen und Hummeln stören, was langfristig die Fruchtproduktion beeinflussen kann.
Problem auch für uns Menschen
Doch nicht nur die Ernte ist gefährdet, sondern auch die Sicherheit der Erntehelfer. Als Folge der vielen Stiche durch die Hornisse ist es inzwischen schwierig geworden, Erntehelfer zu rekrutieren.
Eine spanische Studie, veröffentlicht im Journal of Investigational Allergology and Clinical Immunology, untersuchte 100 Patienten mit anaphylaktischen Reaktionen auf Hymenopterenstiche. Dabei zeigte sich, dass Vespa velutina in der Region Galicien zur häufigsten Ursache für solche Reaktionen geworden ist. Hier wurden die Zahlen und Studien nochmal sehr gut von Thomas Beissel zusammengefasst: velutina.de
Insgesamt zeigt sich, dass die Asiatische Hornisse nicht nur eine Bedrohung für die Imkerei, sondern auch für den Wein- und Obstbau darstellt. Eine frühzeitige Erkennung und Meldung von Nestern ist daher entscheidend, um Schäden zu minimieren. Und nicht zuletzt stellt die Vespa velutina insbesondere für Menschen mit Insektenstich-Allergien ein massives Problem dar.
Fazit: Die asiatische Hornisse ist ein ernstzunehmendes Problem, das wir nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Bleibt aufmerksam, melde Funde und informiere dich regelmäßig. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass unsere heimischen Arten eine Chance haben.
Jede gemeldete Sichtung und jedes entdeckte Nest zählt! So helfen wir, die Ausbreitung einzudämmen und die Balance im Ökosystem zu bewahren. Wer ein Nest entdeckt, sollte es aber auf keinen Fall selbst entfernen – das ist gefährlich und gehört in Profihände. Nutze für NRW die Meldefunktion auf https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/fundpunkte/webformular
Was bewirkt die Meldung?
Zunächst muss man den Zyklus der Velutina verstehen. Im Frühjahr startet eine einzige Königin mit einem kleinen Embryonalnest. Daraus erwächst dann ein Primärnest und später ein Sekundärnest. Je früher im Jahr man die einzelne Königin findet und tötet, um so mehr Sekundärnester kann man verhindern.
1. Monitoring statt Kapitulation
Die Meldungen dienen dem strukturierten Monitoring. Das heißt: Behörden und Fachleute behalten im Blick, wo und wie schnell sich die Art ausbreitet. Diese Daten sind Gold wert, wenn es darum geht, gezielte Maßnahmen zu planen – etwa bei der Nestentfernung in besonders sensiblen Gebieten.
2. Frühwarnsystem für neue Gebiete
Gerade an der „Ausbreitungsfront“ – also in Gebieten, wo die Velutina noch nicht dauerhaft Fuß gefasst hat – kann eine frühzeitige Meldung helfen, ein Nest schnell zu entfernen, bevor es zur Gründung neuer Völker im Folgejahr kommt.
3. Schutz sensibler Zonen und Arten
Meldungen helfen auch dabei, wichtige Schutzräume wie FFH-Gebiete oder Areale mit seltenen Wildbienen im Auge zu behalten. Dort kann man gezielter eingreifen, wenn die Velutina auftaucht.
4. Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung
Jede Meldung hilft indirekt dabei, das Thema sichtbarer zu machen. Je mehr Menschen Vespa velutina erkennen und richtig reagieren, desto besser für Mensch, Biene und Natur.
5. Druck auf Behörden und Politik
Auch wenn Vespa velutina keine kurzfristig auszurottende Art mehr ist, zählt jede Meldung. Sie ist ein Baustein im Gesamtbild – und hilft dabei, Schäden zu begrenzen, gezielt zu handeln und wissenschaftlich fundierte Strategien zu entwickeln. Dazu braucht es aber auch behördliche Unterstützung, Gelder, bezahlte Fachkräfte und ein entsprechendes Budget. Auf politischer Ebene ist das potentielle Ausmaß dieser invasiven Art noch nicht angekommen. Dabei hat Frankreich 20 Jahre Vorsprung, ein Blick ins Nachbarland lohnt sich.
Internetseiten für sehr gute, weiterführende Informationen und Kontakt
- Übersicht über alle Kontaktpersonen deutschlandweit, die bei Fragen rund um die Vespa Velutina kontaktiert werden können:
https://www.velutina.de/kontakt-uebersicht/
- Informationsportal des Hornissen- und Wespenberaters Thomas Beissel. Stets aktuelle Informationen und neuste Studien: https://www.velutina.de
- Weiteres Informationsportal eines Zusammenschlusses fachkundiger engagierter, Ehrenamtlicher. Darunter Behördenmitarbeiter, Imker, Hornissenberater, Wissenschaftler und viele mehr: https://velutina-army.de
- PDF-Flyer des Rheinisch-Bergischen Kreises mit Kontaktdaten und Übersicht der allgemeinen Informationen und Verhaltensregeln.
- Kontakte zu den Ämtern:
Veterinäramt des Rheinisch-Bergischen Kreises: artenschutz@rbk-online.de
Zuständige Behörde: Untere Naturschutzbehörde
Am Rübezahlwald 7, 51469 Bergisch Gladbach
Telefon 02336/93 0
- Kostenlose Beratung durch ehrenamtliche Helfer.
Ansprechpartner bei der Kreisverwaltung sind
Marlen Wildenhues, Tel.: 02202 13-6814 und Wilfried
Knickmeier, Tel.: 02202 13-6798.
- Fachleute, für RBK zuständig:
Thomas Beissel
Wespenberater und Imker
Telefon: +49 (0)1578 9673943
thomas.beissel@velutina.de
Yvonne Ilk
Wespenberaterin und Imkerin
Telefon: +49 (0)1573 9310020
yvonne.ilk@velutina.de
Matthias Kistenich,
Wespen und Hornissenberater, Imker
Telefon: +49 (0) 163 7745264
matthias.kistenich@velutina.de